Geodäsie-Referendariat in Berlin: Sprungbrett in Führung
Diese Folge zeigt, wie das technische Referendariat für Geodäsie und Geoinformation in Berlin den Weg von der Masterausbildung in die Führungsverantwortung ebnet. Im Fokus stehen die sechs Fachbereiche, die Berliner Besonderheiten mit Landentwicklung im Flächenland sowie der anspruchsvolle Prüfungsweg bis zum Titel Technische Assessorin/Technischer Assessor.
Chapter 1
Karriere-Booster Geodäsie: Das Referendariat für künftige Führungskräfte
Anika Wagner
Hallo zusammen. Ich will Ihnen einmal kurz das technische Referendariat der Geodäsie näherbringen. Wenn wir über das Ref sprechen, dann reden wir über die Ausbildung der künftigen Entscheidungsträger und Führungskräfte an der Schnittstelle von High-Tech, Recht und modernem Management. Es ist im Grunde die strategische Brücke zwischen dem wissenschaftlichen Studium und der komplexen Verwaltungspraxis. Dieses zweijährige Programm ist kein klassischer Vorbereitungsdienst im Verborgenen. Es ist ein knallhartes, aber unglaublich vielseitiges Programm, dass uns gezielt auf echte Führungsverantwortung vorbereitet. Wir haben insgesamt sechs Kernbereiche, die wir durchlaufen. Das beginnt mit Fach 1, den Allgemeinen Rechts- und Verwaltungsgrundlagen, und Fach 2, wo es um Führungsaufgaben und Wirtschaftlichkeit geht. Diese beiden Bereiche werden überwiegend in Seminaren und Lehrgängen vermittelt -- da geht es um Haushalt, Verwaltungsrecht, New Public Management, Rhetorik, eben das Handwerkszeug für spätere Leitungspositionen. Die anderen Abschnitte sind hochgradig fachspezifisch. Fach 3 ist Liegenschaftskataster, Landesvermessung und Geobasisinformationssysteme. Hier verbringen wir unter anderem einen 6- bis 8-wöchigen Abschnitt in einem Bezirk. Fach 4 ist die Landentwicklung. Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Landentwicklung im Stadtstaat Berlin? Wo ist denn hier das Land? Und genau da liegt der Kniff: Weil Berlin kaum ländlichen Raum hat, kooperieren wir mit Flächenbundesländern. Wir Referendare wechseln für diesen Abschnitt temporär in ein anderes Bundesland, um dort Flurbereinigungsverfahren und Strukturpolitik für den ländlichen Raum live vor Ort mitzugestalten. Wieder zurück in Berlin geht es in Fach 5 um Landesplanung und Städtebau, also die Entwicklung unserer Stadt aber auch das große Thema der Immobilienbewertung. Schlussendlich ist da noch Fach 6: Geodatenmanagement und Geodateninfrastruktur. Sie sehen, das Spektrum ist riesig. Aber der eigentliche Berg, den es zu erklimmen gilt, ist das furiose Finale: die Große Staatsprüfung. Und die hat es wirklich in sich. Das ist ein dreiteiliger Prüfungsmarathon. Teil eins ist die häusliche Prüfungsarbeit. Sie bekommen ein Thema, das Sie vorher nicht kennen, und haben dann exakt sechs Wochen Zeit, um eine mindestens 50-seitige, praxisnahe Arbeit zu verfassen -- inklusive, Recherchen, Interviews und einem starken Fokus auf innovative Führungsaspekte. Kaum ist das geschafft, folgt der zweite Streich: vier schriftliche Klausuren. Jede einzelne dauert sage und schreibe sechs Stunden. Da wird Ihnen fachlich und mental alles abverlangt. Und wer das übersteht, steht schließlich in der mündlichen Abschlussprüfung. Sie sitzen dort mit ein oder zwei Mitstreitern vor einem fünfköpfigen Prüfungskomitee. Jedes der sechs Fächer wird einzeln abgeprüft. Und als ob das nicht schon genug Nervenkitzel wäre, kommt ganz am Ende der absolute Clou: Sie bekommen einen tagesaktuellen Zeitungsartikel vorgelegt, haben genau 20 Minuten Vorbereitungszeit um diesen Artikel zu analysieren, eigene Gedanken und Ansätze dazu zu strukturieren und das Ganze dann in einem freien, rhetorisch geschliffenen Kurzvortrag zu präsentieren. Da geht es nicht um Auswendiglernen, sondern um Spontaneität, Auftreten und echte Überzeugungskraft unter Druck. Wer dieses Staatsexamen meistert, darf sich danach "Technische Assessorin" oder "Technischer Assessor" nennen. Ein Titel, der einem im gesamten höheren Verwaltungsdienst oder der freien Wirtschaft die Türen öffnet. Vielen Dank fürs Zuhören und nutzen Sie die Chance, um mit uns ins Gespräch zu kommen!